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Wege aus der Krise

Organisatorische Rahmenbedingungen | Didaktische Rahmenbedingungen | Ökonomische Rahmenbedingungen


Die vielfach diskutierte Krise im E-Learning hat im Grunde damit zu tun, dass sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfragerseite der Umgang mit der neuen Technik problematisch geblieben ist. Da helfen auch Versuche, das Terrain mit Hilfe allzubekannter Formen des klassischen Lehrbetriebs (Stichwort: "Blended Learning") wieder aufzupäppeln, wenig.

Beispiele zeigen zwar, dass überzogene Erwartungshaltungen gegenüber der neuen Technologie vor allem aus der einseitigen Fixierung auf das technisch Machbare entstanden sind. Dabei folgte man jedoch vielfach nur dem Trend zur unterhaltenden, abwechslungsreichen Darstellung von Inhalten: Nur, selten wurde dies auch auf seinen didaktischen Nutzen hin reflektiert.

In den Visionen einer veränderten Lernkultur steigen dennoch weiterhin die Ansprüche an die Gestaltung persönlichkeitszentrierter, flexibler und effizienter Lernformen (situiertes, kooperatives Lernen, komplexe hybride Lernarrangements und -methoden etc.).

Was fehlt sind geeignete Verfahren und Werkzeuge, mit denen sich der Workflow von der Planung bis zum Betrieb entsprechender Lernumgebungen reversibel strukturieren lässt, wie das in den klassischen Bereichen der Geschäftsprozessmodellierung längst eine Selbstverständlichkeit ist.

Der Bedarf wird deutlich, schaut man sich die organisatorischen, didaktischen und ökonomischen Rahmenbedingungen an, ohne deren Berücksichtigung erfolgreiche e-Learning-Projekte nicht zu realisieren sind:

Organisatorische Rahmenbedingungen

Herausforderungen, denen Betreiber von Lernumgebungen in IuK-Netzen gegenüberstehen, lassen sich kaum mit den Organisationsformen, wie sie den traditionellen Bildungsbetrieb kennzeichnen, bewältigen.

Lebenszyklen didaktischer Inhalte, Strukturen und Ressourcen werden immer kürzer. Gleichzeitig ist die Qualität ihrer Erstellung und Pflege abhängig vom Kooperationsverhältnis fachlicher Expertise, pädagogischer Erfahrung/Kreativität, mediendidaktischem Design, technischer und nicht zuletzt administrativ-organisatorischer Kompetenz. Es wird zunehmend schwerer das jeweils spezifische Aggregat entsprechender Workflows auf die Schultern einzelner Generalisten zu verteilen.

Systeme, die dem zukünftigen Bildungsbedarf gerecht werden sollen, müssen vielmehr in der Lage sein, dezentral arbeitsteilige, vielfach gleichzeitig ablaufende Prozesse der Erzeugung und Nutzung standardisierter Lehr-/Lernobjekte auf allen (nicht nur administrativen) Ebenen didaktischen Handelns zu begleiten und effizient zu unterstützen. Besonders zur methodischen Modellierung und didaktisch sinnvollen Verknüpfung von Lernressourcen gibt es derzeit kein hinreichend leistungsfähiges System.

Didaktische Rahmenbedingungen

Untersuchungen zur Wirksamkeit von E-Learning kommen zu dem Schluss, dass die Frage, ob ein WBT oder ein Präsenzseminar besser geeignet sei, bestimmte Lerninhalte zu vermitteln, im Grunde falsch gestellt ist. Ansätze strategischer Bildungsplanung wenden sich deshalb seit längerem gegen die Annahme, dass bestimmte Medien oder Methoden an sich im Vergleich zu anderen vorteilhaft sind. Vielmehr komme es auf die didaktischen Rahmenbedingungen an, in welchen die unterschiedlichen Elemente zu einem Lernangebot kombiniert werden.

Dass sich strategische Ansätze nur sehr langsam etablieren, liegt nicht zuletzt daran, dass ein verbindliches, an den Ebenen didaktischen Handelns orientiertes Verfahren fehlt, welches die Faktoren, die sich aus individuellen, kulturellen und organisatorischen Kontexten ergeben, aufgabenorientiert und reversibel in entsprechende Planungs- und Gestaltungsprozesse integriert.

Ökonomische Rahmenbedingungen

Die Entwicklung und der Betrieb von E-Learning ist mit erheblichen finanziellen Anfangs- und Folgeinvestitionen behaftet, die sich bisher nur für Unternehmen mit strategischer Bildungsplanung langfristig rechnen. Neben rein betriebswirtschaftlichen Effizienzpotentialen (Sicherung von Zeit- und Kostenvorteilen), die dabei traditionell im Vordergrund stehen, ergeben sich aus der Skalierbarkeit didaktischer Planungsprozesse und einer Wiederverwertbarkeit der Ergebnisse und Erfahrungen noch weiterreichende Potentiale in der Wertschöpfungskette zukunftsorientierter Bildungsinstitutionen. Dazu gehört z.B. die Mehrfachverwertung hochwertiger, maßgeschneiderter und erprobter Bildungsprodukte im kaum erschlossenen Segment "Weiterbildung für KMU".

Wie bei der Einführung workflow-orientierter ERP-Systeme, werden die Entscheider auch im Bildungsbereich die strategische Dimension effizienter Konzeption, Gestaltung und Verwaltung von Bildungsmaßnahmen jedoch erst erfassen, wenn entsprechende Werkzeuge tatsächlich zur Verfügung stehen.
 
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